28.05.2013
09:00 Uhr
Watt intensiv
Dauer: 2 Stunden
Treffpunkt:
Bänke beim Campingplatz Um Ost

28.05.2013
09:00 Uhr
Watt intensiv
Dauer: 2 Stunden
Treffpunkt:
Bänke beim Campingplatz Um Ost
"Da sind wir an der Nordsee und was sehen wir? Nichts als Schlamm!". Diese erste Reaktion von Urlaubern, die bei Niedrigwasser einen Blick auf das Wasser werfen wollen, weicht schnell der Faszination. Das Wattenmeer, diese einzigartige, von Wind, Wasser, Wellen und Gezeiten geprägte Landschaft, beeindruckt durch ihre sich ständig verändernde Gestalt. Und gerade dort, wo das ungeübte Auge nichts zu entdecken vermag, erfreut sich der informierte Besucher an der vielfältigen Schönheit des Verborgenen. Deshalb begleiten Sie uns doch auf einen virtuellen "Spaziergang" vom Festlandsdeich bis auf die Insel Norderney.
Die ersten Schritte ins Watt sind ziemlich anstrengend. Man sinkt hier teilweise bis zur halben Wade ein. Klarer Fall, wir stehen im Schlick.
Im Watt kann man auf drei verschiedene Bodentypen stoßen: Schlick-, Misch- und Sandwatt. Das Schlickwatt ist zumeist in Ufernähe anzutreffen. Hier haben Strömung und Seegang wenig Kraft, und selbst winzige Tonteilchen sinken während der Überflutungsphase zu Boden, es bildet sich Schlick. Sehr harten Boden trifft man im Sandwatt an. Hier beeinflussen Seegang und Strömung den Meeresboden sehr stark. Nur große schwere Teilchen erreichen hier den Boden. Das Mischwatt weist einen mittelharten Boden auf, man sinkt hier nur in seltenen Fällen bis zum Knöchel ein.
Die Durchquerung des Schlickgürtels vor der Festlandsküste ist ziemlich anstrengend. Dafür gibt es einige interessante Dinge zu sehen. Zum Beispiel die Wattschnecke, die in Häufigkeiten bis zu 40.000 Tieren pro m2 Auftritt und ein Gewirr winziger Spuren hinterlässt.
Einen weiteren Bewohner des Schlickwatts kann man an besonderen Geräuschen und an seinen Spuren erkennen. Der Schlickkrebs verursacht ein deutlich vernehmbares Knistern, das durch Zerreißen von Wasserhäutchen zwischen seinen Antennen verursacht wird.
Nach ca. 300 Metern wird das Gehen langsam weniger beschwerlich. Wir haben das Mischwatt erreicht, das große Teile unseres Weges bedeckt. Die Art, die diesen Teil des Watts hauptsächlich prägt, ist der Wattwurm. Seine charakteristischen "Hinterlassenschaften", die Kotschnüre bedecken den Boden in großen Mengen. Aber auch die Herzmuschel und der Bäumchenröhrenwurm lassen sich mit wenig Aufwand beobachten.
Im weiteren Verlauf unseres Weges tauchen auf einmal kleine Erhebungen im Watt auf. Auf ihrer Oberfläche sind sie mit einer Schicht Miesmuscheln bedeckt. Wir haben die Muschelbänke erreicht. Auch hier sinken wir plötzlich wieder tiefer ein. Miesmuscheln filtern täglich etliche Liter Wasser, nicht verwertbares Material wird unter den Muscheln abgelagert. So erhebt sich die Muschelbank auf einer selbst produzierten Schlicklage über das Niveau der umgebenden Wattflächen hinaus. Zwischen den einzelnen Beeten der Muschelbank lässt sie sich aber doch mit wenig Mühe und ohne Schädigung der Muscheln durchqueren. Die Miesmuschel ist aber nicht mehr die einzige Muschel, die auf der Wattoberfläche lebt. Seit einigen Jahren tritt im Wattenmeer auch die Pazifische Auster auf. Die Kanten ihrer Schalen sind sehr scharf, deshalb muss man unbedingt Schuhe tragen!
Das verbleibende Wegstück bis zum Fahrwasser verläuft über den brettharten Untergrund des Sandwatts. Der Boden in diesem Bereich wird vom Seegang gestaltet. Die Rippel drängen einen Vergleich mit einem Waschbrett auf.
In dem Bereich, wo wir jetzt das Fahrwasser überqueren wollen, stehen in regelmäßigen Abständen kahle Birkenbäume, die sog. Pricken. Sie weisen den Schiffen im flachen Wasser den Weg. Bei Niedrigwasser kann hier aber kein Schiff mehr fahren. Beim Durchqueren des Fahrwassers reicht uns das Wasser mal gerade bis zum Knie. Wir haben jetzt ungefähr zwei Drittel unseres Weges durch das Watt hinter uns. Noch einmal waten wir durch eine Muschelbank, der Rest des Weges führt aber über Sandwatt.
Nach einiger Zeit stellen sich auf dem Wattboden Pflanzen ein. Der Anfang der Salzwiese ist erreicht - wir sind auf Norderney!
Vor uns liegt eine weite freie Fläche, die in Bereiche mit Pflanzen vom verschiedenfarbigen Wuchs unterteilt ist, die Salzwiese.
Im Norden wird sie von der Dünenkette begrenzt. Ähnlich wie im Watt lassen sich auch in der Salzwiese verschiedene Teilbereiche (Zonen) unterscheiden. Sie werden nach der Zusammensetzung der Pflanzendecke voneinander getrennt. Diese Zonen werden entsprechend ihrer Höhenlage unterschiedlich oft mit Salzwasser überspült. Die direkt an das freie Watt grenzende Quellerzone prägen der Queller und das Schlickgras geprägt. Ihre obere Grenze liegt beim mittleren Tidenhochwasser (MTHW).
Danach folgt die Andelzone. Sie wird vom namensgebenden Andelgras, der Salzmelde, dem Löffelkraut, und der Strandaster besiedelt. Ca. 150 - 400mal im Jahr erreicht das Hochwasser diese Bereiche noch.
Noch höher auf der Salzwiese beginnt die Rotschwingelzone. Sie ist in einem Bereich zwischen 50cm und 140cm über MTHW anzutreffen. Die Rotschwingelzone beherbergt eine Vielzahl von Pflanzen. Benannt wurde sie nach dem Rotschwingelgras (Festuca rubra). Im Juli bis September prägen hier der Strandflieder und der aromatisch duftende Strandwermut das Aussehen der Salzwiese.
Von den hohen Bereichen der Salzwiese geht das Gelände direkt in die Dünen über. Auf unserem weiteren Weg zum Strand erleben wir die Dünenentwicklung in umgekehrter Reihenfolge.
Zuerst kommen wir an hohe Dünen, die mit Gräsern und teilweise auch mit Sträuchern bewachsen sind. Hierbei handelt es sich um die Graudünen. Die Holunderbüsche sind hier vom Wind zu kugeligen Gestalten geformt worden. Graudünen bestehen schon eine ziemliche Zeit. Mittlerweile hat sich im Dünenboden Humus gebildet, der die graue Farbe hervorruft.
Nachdem wir die Graudünen passiert haben, erreichen wir einen Gürtel hellerer Dünen, in denen zwischen den Pflanzen noch kleinere und größere Sandflächen hervortreten. Hier in der Weißdüne gestaltet der Strandhafer aktiv seine Umwelt. Wenn er sich einmal angesiedelt hat, lagern sich zwischen seinen Halmen Sandkörner ab und erhöhen so die Weißdüne. Der Strandhafer hat die Fähigkeit, mit dieser Erhöhung mitzuwachsen, und festigt so die Weißdüne mit seinem Wurzelwerk.
Zwischen der Kette der Weißdünen und dem Strand kommen wir durch niedrige Sandhaufen, die nur dünn mit Pflanzen bedeckt sind. Dieser Bereich ist das Anfangsstadium der Dünenentwicklung, die kleinen Sandhügel sind so genannte Primär- oder Vordünen. Diese Entwicklung wird von einem Pionier eingeleitet, dessen naher Verwandter bei Gärtnern äußerst unbeliebt ist. Die Strandquecke ist die einzige Pflanze, die unter den unwirtlichen Bedingungen des Strandes in kleineren Beständen leben kann. Auch sie fördert Sandablagerungen zwischen den Halmen und leitet die Dünenentwicklung ein.
Wenn wir die Vordünen durchqueren erreichen wir den Strand. Unser Weg durchs Watt auf die Insel ist zu Ende. Wir können nun in Westen in Richtung Stadt Norderney laufen. Oder aber wir machen erst einmal Pause und sehen zu, wie das Wasser wieder steigt.
mit unserem kleinen Spaziergang über Watt und Insel haben wir Ihnen einen Überblick über die Lebensräume des Wattenmeeres und ihre Bewohner gegeben. Sie alle enthalten natürlich noch viel mehr interessante Bewohner, über die es viele spannende Geschichten gibt. Direkt und intensiv erleben können Sie sie auch auf den Veranstaltungen des NPH. Noch interessanter, eben echt!